Foto: weidner haendle atelier, Stuttgart
baupreis allgäu 2013
13.11.13 - Kempten
baukultur zwischen effekt und effizienz
Vortrag von Professor Tobias Wulf, wulf architekten, Stuttgart bei der Preisverleihung am 08. 11. 2013 im Kornhaus Kempten



meine damen und herren, 

gestatten sie dass ich heute abend einfach ein bisschen über die dinge rede, die mich als architekt in letzter zeit so umtreiben. 
gedanken, die sich kritisch auf gegenwärtige tendenzen in der architekturdebatte beziehen, meist nur angerissen und nicht nur deshalb ohne jeden absolutheitsanspruch, aber quer gedacht und für manche zuhörer vielleicht auch provokant wirkend. 
diese methode verwenden wir auch beim entwerfen und architekturmachen im büro und deshalb kann ich auch gar nicht anders. 
baukultur zwischen effekt und effizienz steht drüber - und da haben wir es schon mit einem wort zu tun, das wohl eines der meistgebrauchten im reden über architektur geworden ist: 

baukultur. 
mit diesem begriff geht es mir allmählich schon so wie mit der nachhaltigkeit. ich mag es eigentlich nicht mehr hören. kaum eine publikation, kaum ein jurytext, kaum eine diskussionsrunde und kaum ein smalltalk ohne dieses wort. wenn man den begriff baukultur in den mund nimmt, ist man immer bei den guten. er hat sich regelrecht zu einem wohlfühlwort entwickelt. 
der begriff ist wie gummi - oder besser wie wackelpudding. er ist halbdurchsichtig und alles klebt irgendwie daran fest. wenn man ihn einmal an der backe hat, lässt er sich kaum abschütteln. 
natürlich ist baukultur für uns verpflichtung, ebenso wie nachhaltigkeit. das problem ist, dass jeder etwas anderes unter baukultur versteht und dass sich anscheinend eine auffassung durchsetzt, die baukultur mit nachhaltigkeit gleichsetzt. diesen eindruck kann man auch haben, wenn man die festschrift zum deutschen architekturpreis 2013 in die hand nimmt. 
tolle aufmachung, alles in gold, schliesslich handelt es sich dabei inzwischen um einen staatspreis. im text ist dann nach zahlreichen grussworten die würdigung der einzelnen ausgezeichneten bauten abgedruckt. und da kam ich schon ins stutzen. denn jeder laudatio wurde ein text zum thema nachhaltigkeit vorangestellt. das erscheint angesichts der gewollten zukünftigen bedeutung des Preises etwas unausgewogen und im grunde auch gar nicht nötig. 
ich gehe mal davon aus, dass es nur ein zufall war, dass ausgerechnet das projekt mit den wenigsten fenstern und der dicksten wärmedämmung am besten dabei wegkam. das wäre sicherlich falsch verstandene baukultur. ich finde eigentlich den alten begriff baukunst sehr gut. aber warum ist es heute nicht mehr üblich, den begriff baukunst zu verwenden? weil sich die kunst der rationalen argumentation und objektiven beurteilbarkeit entzieht? weil unsere bauverwaltungen mit nicht formularfähigen kriterien überfordert wären? weil heute dem bürger alles nachvollziehbar erklärt werden muss, damit er nicht zum wutbürger wird und die planung torpediert? 
ich denke, es ist vor allem deshalb so, weil kaum noch jemand verantwortung übernehmen will und das allgemeine absicherungsverhalten der am planungsprozess beteiligten jede nicht der konvention entsprechende idee schon im keim ersticken will. 

ok, statt baukunst jetzt immerhin noch baukultur. 
der staat als grösster öffentlicher auftraggeber setzt sich in form der bundesstiftung baukultur dafür ein. das ist in erster linie eine kommunikations- und diskussionsplattform mit dem ziel, qualität, nachhaltigkeit und leistungsfähigkeit des planungs- und Bauwesens zu fördern. die rede ist vom bauen im bestand, von ressourcenschonenden bauprozessen und qualitätssteigerung durch wettbewerb. 
das klingt alles gut, ist aber weit entfernt von der realität. wir architekten nehmen mit wühlmausartigem engagement an diesen wettbewerben teil (wenn man uns lässt), wirken in preisgerichten mit (wenn man uns beruft), ackern uns unverdrossen durch den dornenreichen arbeitsalltag - und werden am ende noch für die fehler anderer haftbar gemacht. 

dabei soll baukultur entstehen? 
die bundesstiftung für baukultur definiert den begriff folgendermaßen: 
(zitat) „baukultur ist mehr als baukunst. beispielhafte baukultur ist nicht nur „atemberaubend schön“, sondern sie berücksichtigt ebenso ökologische und wirtschaftliche qualitäten und bringt diese mit den soziokulturellen anforderungen in einklang.“ diese Umschreibung hat eine eigentümliche tendenz: erstens setzt sie die worte „atemberaubend schön“ in distanzierende anführungszeichen und zweitens unterstellt sie, dass baukunst soziokulturelle, wirtschaftliche und ökologische aspekte außeracht lässt. keine Zustimmung, euer ehren! 
manche auftraggeber und bauverwaltungen entwickeln eigene vorstellungen von baukultur, die sie dann gerne in umfangreiche regelwerke meisseln, wie städtische baustandards, planungshandbücher, gestaltungssatzungen et cetera. kritisch wird das dann, wenn statt der hehren baukultur eher die eigene arbeitsersparnis durch vereinheitlichung im vordergrund steht, oder die flucht vor der eigenen verantwortung durch verkriechen hinter normen. 

von der freiheit der kunst als baukunst keine spur mehr. 
also verfolgen wir die spuren mal kurz zurück zu den altvorderen der baukunst: 
vitruv brauchte drei worte um diese zu definieren: firmitas, utilitas und venustas, stabilität, nützlichkeit und schönheit. 
alberti griff das in der renaissance wieder auf und legte aber auch wert auf den 4. Begriff concinnitas, die angemessenheit – und damit ist er für unsere heutige situation brandaktuell. 
gottfried semper brauchte auch 4 elemente: den herd, die decke, das fundament und die wand (deren oberfläche ihn besonders interessierte). 
bei le corbusier sind es 5 punkte zu einer neuen architektur: die piloti, der dachgarten, das langfenster, der freie grundriss und die freie fassade. 
das klingt aus heutiger sicht zum teil etwas willkürlich, ist aber aus der jeweiligen zeit heraus verständlich und von revolutionärer bedeutung gewesen. aber wir haben die baugeschichte noch lange nicht aufgearbeitet. 

eines der letzten grossen tabuthemen ist die auseinandersetzung mit dem baulichen erbe aus der zeit des nationalsozialismus. 
in dieser zeit hatte übrigens der begriff der baukultur das letzte mal hochkonjunktur. natürlich wurde er durch die politische ideologie vereinnahmt und es dauerte bis in die 1980 er jahre bis diese kontamination so weit verflogen war, dass der begriff wieder gesellschaftsfähig werden konnte. 
wenn man sich mit den bauten dieser zeit beschäftigt, wie wir im büro dies seit einigen jahren anhand der ordensburg in sonthofen tun, gerät man in einen zwiespalt. 
gerade bei dieser gewaltigen und faszinierenden bauanlage wird es besonders deutlich. der hochbegabte architekt hermann giesler, der aus bleichach stammte, und dessen architektonische bedeutung aus meiner sicht höher einzuschätzen ist als die seiner naziarchitektenkollegen albert speer und paul ludwig troost, hat hier in jungen jahren ein meisterwerk geschaffen, das eine hohe räumliche und handwerkliche baukultur zeigt. 
sein fehlgeleiteter eifer wurde dann durch den zusammenbruch des 3. reichs glücklicherweise so gebremst, dass seine weitergehenden planungen auf der burg nicht realisiert wurden. denn diese hätten das bestehende in den abgrund gezogen aufgrund der grössenwahnsinnigen dimensionen und der hybris im umgang mit der landschaft. so aber haben wir es mit einem völlig zu recht denkmalgeschützten ensemble zu tun, bei dessen neustrukturierung und erweiterung wir einen angemessenen architektonischen weg suchen. 
meiner meinung nach sollte es dabei alternativen geben zu der haltung, die von renommierten architekten bisher in nürnberg, dresden und berlin vertreten wurde und die dennoch einen mahncharakter beinhaltet, jedoch mit weniger spektakulären Mitteln. 
beim zuständigen bundesministerium für verteidigung scheint das bewusstsein für baukultur und denkmalschutz noch nicht wirklich angekommen zu sein. die burg wird im prinzip behandelt wie jede x- beliebige militärliegenschaft, und transparente entscheidungsprozesse verbieten sich von selbst. 
hier ensteht ein grossprojekt in dreistelliger millionenhöhe und in den bisher 5 jahren planungszeit ist noch kein verbindliches raum- und nutzungsprogramm entstanden, sodass zwar viel geplant, aber wenig bewegt wurde. dafür gab es aber mehrfach einen ministerwechsel. 

aus meinem studium ist mir ein satz besonders in erinnerung geblieben, den ich gleich zu beginn des ersten semesters von meinem professor für die grundlagen der planung, horst rittel, hörte. er behauptete ohne mit der wimper zu zucken: "es gibt keine sachzwänge". wörtliches zitat: "es gibt keine sachzwänge". wir waren empört und haben ihm einen sachzwang nach dem anderen genannt, oder was wir dafür hielten. doch er blieb dabei: es gibt keine sachzwänge. 
seitdem gibt es für mich keine sachzwänge mehr. ob das nun stimmt oder nicht spielt eigentlich gar keine rolle. aber dieser satz hat mir in meinem berufsleben unzählige male geholfen, wenn unsere ideen und planungen in scheinbar auswegslose situationen gerieten oder auch dahin getrieben wurden. in solchen situationen hilft kein stures beharren, kein resigniertes nachgeben, keine hinterhältige strategie und kein kompromiss. das einzige, was weiterführt ist kreativität. eine kreativität, die befeuert wird durch die maxime, dass es keine sachzwänge gibt. 

wie sieht es heute in der realowelt und der spirituellen welt mit der baukunst aus? 
heute scheint der zähe ablösungsprozess von der moderne weitgehend vollzogen zu sein. auch der normale bürger, der die moderne nie richtig mochte, interessiert sich wieder für architektur. diese chance sollte nicht verspielt werden. 
auf der anderen seite muss es auch jetzt wieder eine avantgarde geben, die losgelöst von den niederungen des planungsprozesses und den leitplanken unserer überökonomisierten welt arbeiten kann. 
staat, länder und gemeinden sind teil der politischen landschaft, und diese ist im umbruch, da sich ein gesellschaftlicher wandel vollzieht. 
während sich die jungen inzwischen weitgehend in konformität üben, gehen die alten zum demonstrieren auf die strasse. die grünen sind zur eigentlichen konservativen kraft geworden (das kommt in Bayern auch noch) und die klassische sozialdemokratische linke ist zugunsten der linkspartei verschwunden. dazwischen eine schwer manövrierbare masse einer viel zu fetten mitte, in der es jeder jedem und jedem bürger recht machen möchte. das ist gefährlich für die architekturentwicklung, denn dieses politische prinzip ist nicht auf planen und bauen übertragbar. 
architekturqualität kann natürlich niemals das sein, was übrigbleibt, wenn man es jedem recht macht. was heute opportun ist, kann schon in wenigen jahren zum problem werden. das denken über den tag hinaus ist unverzichtbares merkmal unseres berufs als architekten und dabei geht es in der regel mindestens um jahrzehnte. 
mit jahrzehnten und jahrhunderten hat die kirche als der traditionell wichtigste träger von baukunst weniger probleme. hier scheint eher die fehlende transparenz ein hemmschuh zu sein. 
wenn ein bischof in limburg aufgrund seiner selbstherrlichen vorgehensweise des volkes und des papstes zorn auf sich zieht, ist das ein zeugnis mangelhafter planungshygiene. sein beitrag zur baukultur in form des fertiggestellten bauwerks sollte deswegen allerdings nicht in misskredit geraten. 
die zeiten, in denen grosse ideen im stillen kämmerlein reifen und in konspirativen zirkeln auf den weg gebracht werden, scheinen auch im klerus vorbei zu sein. 
nein, qualitätvolle entwürfe und planungen entstehen im team, in offener zusammenarbeit, im mitnehmen aller betroffenen - und sie müssen deswegen keineswegs weniger genial sein. wer im elfenbeinturm sitzt, beraubt sich selber der möglichkeit, durch andere inspiriert und kreativ bereichert zu werden. 
in der geschichte war lange zeit die kirche die treibende kraft von innovationen in der baukunst. 
es ging um etwas, das sich nach heutigen kriterien nicht erfassen, geschweige denn bewerten liesse. aus heutiger sicht dürfte man die mittelalterlichen kathedralen nicht einmal als baukultur bezeichnen, streng genommen nicht einmal aus vitruvianischer sicht. es fehlt an utilitas und teilweise auch an firmitas, vor allem wenn man an die spätgotik denkt. 
dennoch haben wir heute anscheinend eine solche sehnsucht nach damaligen werten, dass es gelingt, bauwerke wie die dresdner frauenkirche, das berliner stadtschloss und den frankfurter römerberg wieder aufzubauen. 
demgegenüber werden projekte wie der berliner flughafen, stuttgart 21, oder die elbphilharmonie sehr viel kritischer gesehen. bei denen laufen die kosten und termine übrigens auch nicht mehr aus dem ruder als bei den rekonstruktionsprojekten. 
es geht wohl mehr um die allgemein zunehmende skepsis gegenüber dem zeitgemässen. der zeitgeist ist gegenwärtig vorwiegend retrospektiv. 
das muss nicht unbedingt negativ sein und ist auch innerhalb der architektenschaft verständlich, soweit man sinnvoll aus dem vergangenen für die gegenwart lernt und die zukunft nicht aus dem blick lässt. 
angesichts heutiger qualitätskriterien wie termin-und kostentreue, nutzungskosten, nutzungsflexibilität und drittverwertbarkeit, energiezertifizierungen und konformität mit den richtlinien der versicherungen verliert man leicht den blick für das wesentliche. dies ist ein kernproblem der heutigen baukultur. das ganze ist eben mehr als die summe der teile. 
das vertrauen der bürger in grosse planungen ist nach und nach im laufe vieler jahre verspielt worden. 
über das folgerichtig entstandene wutbürgertum muss man sich nicht wundern, wenn auf der politischen ebene gelogen und verschleiert wird, statt aktive aufklärung zum richtigen zeitpunkt zu betreiben. 
die politisch verantwortlichen sind offensichtlich überfordert und ziehen die fachleute ungeniert mit in den strudel des vertrauensverlustes. hier wird sich einiges ändern müssen, wenn man zukünftig ein minimum an planungssicherheit erreichen will. 
der begriff der baukultur hat dem der baukunst immerhin eines voraus: er schliesst die breite masse der alltagsbauaufgaben mit ein und legt den schwerpunkt weniger auf die highlights sogenannter orchideenprojekte. das ist sicher gut und richtig - wenn auch bei näherem hinsehen ein fass ohne boden. denn eigentlich müsste es nicht nur um die bauten gehen sondern um die getaltung unserer gesamten umwelt. es geht um ein gestaltungsbewusstsein, das allgemein zu gering ausgeprägt ist. beschilderungen, werbung, möblierungen, sicherheitsmassnahmen und angebliche technische notwendigkeiten können ein gut gemachtes bauwerk im handumdrehen regelrecht versauen. 
die wirtschaftlichkeit ist für viele beteiligte heute das wichtigste kriterium beim bauen, leider ist fast immer nur die finanzielle seite damit gemeint. die auffassung, dass sich auch ideelle werte auszahlen können, stösst in der regel nur auf ein mitleidiges lächeln. 

effektiv muss das alltägliche bauen sein - der effekt ist demgegenüber den projekten vorbehalten, mit denen sich die politik oder auch andere mächtige bauherren profilieren können. hier wünsche ich mir einen ausgleich. alltagsarchitektur sollte effektvoller sein und renommierbauten sollten effektiver sein. und: 
die baukultur betrifft nicht nur neubauten, sie betrifft unseren gesamten baubestand, der zu schätzungsweise 90 prozent aus altbausubstanz besteht. hier findet man bei behutsamem hinschauen noch erstaunlich viel echte baukunst auch da, wo man sie zunächst nicht vermutet und deren qualität mit heutigen mitteln kaum noch erreichbar wäre. 

in diesem sinne hat sich die jury des baupreises allgäu die mehr als einhundert eingereichten projekte angesehen. nicht das schickste einfamilienhaus, nicht der spektakulärste kulturbau, auch nicht der repräsentativste gewerbebau im wohlstandsland allgäu sondern der intelligente umgang mit der stadt und der landschaft sowie die einstellung zum baulichen bestand und die entbanalisierung von alltagsaufgaben, sahen wir als wesentliche beiträge im sinne von vorbildhafter baukultur an. 
die hürden, eine auszeichnung zu erlangen, waren relativ hoch. es genügte beispielsweise nicht, staatliche baurichtlinien beispielhaft umzusetzen, wenn es an gestalterischer qualität fehlte. 
genauso wenig genügte es, flächeneffektive grundrisse mit gestalterischem aplomb zu kombinieren, wenn strukturelle oder räumliche probleme nicht stimmig gelöst wurden. die messlatte lag also hoch, und das muss auch so sein, wenn die allgemeine baukultur im land davon profitieren soll. je besser das vorbild, desto höher der ansporn. 
es ist ja kein geheimnis, und als halb aussenstehender und halb allgäuer wage ich die bemerkung, dass das allgäu nicht gerade als progressive architekturregion bekannt ist. da schaut man eher nach vorarlberg oder südtirol. aber alles ändert sich und es gibt viel hoffnung, das zeigen die ergebnisse des baupreises allgäu von mal zu mal mehr. und die aktivitäten des architekturforums kann man in diesem zusammenhang nicht genügend hervorheben. 

im rahmen des baupreises allgäu wurden in diesem jahr 5 preise und 5 anerkennungen vergeben. 
auffällig ist, dass allein 2 der preise projekte in der stadt wangen betreffen, was meiner meinung nach kein zufall ist. wangen hat ein funktionierendes gemeinwesen und eine vorbildliche planungskultur. das merkt man, sobald man das stadtgebiet betritt. der bürgermeister ist aufgrund seines grossen engagements beliebt und bei allen bürgern bekannt. man grüsst sich auf der strasse, egal ob apotheker oder asylant. 
im jahr 2024 findet dort die landesgartenschau statt. das konzept dafür steht bereits heute, 11 jahre im voraus. der architektenwettbewerb läuft schon. es geht nicht nur um neustrukturierung von freiflächen sondern um stadtentwicklung unter einbeziehung eines ehemaligen, teilweise denkmalgeschützen gewerbeareals am stadtrand. 
ich erwähne das hier, weil ich diesen planerischen weitblick vorbildlich finde und allgemein für notwendig halte. bezeichnenderweise sind die beiden in wangen ausgezeichneten projekte in ihrer architekturqualität gleichermassen hochrangig aber als bauaufgabe extrem unterschiedlich. 
da ist zum einen das neu gestaltete bürgeramt, sensibel aber mit klarer architektonischer haltung in das historische rathaus eingefügt - ein kleinod, das grosszügig wirkt im dialog mit dem denkmalgeschützten bestand. und da ist zum anderen der mutige erweiterungsbau einer schule, innovativ in der hölzernen tragkonstruktion und kompromisslos in der architektonischen wirkung der fassade. 
die weiteren ausgezeichneten objekte stehen diesen beiden keineswegs nach, sie leisten auf die jeweilige aufgabe bezogen vorbildliches bis herausragendes. mal stehen städtebauliche aspekte im vordergrund, mal typologische, mal gestalterische. aber die ausgewogenheit in der vielfalt aller aspekte macht die qualität aus. 
dies in einem sorgfältigen abwägungsprozess nach und nach herauszufiltern, war die aufgabe des preisgerichts an einem heißen sommertag vor dreieinhalb monaten. 
es war für mich bereichernd, in der jury mitwirken zu dürfen, 

vielen dank! 


Tobias Wulf (*1956 in Frankfurt am Main) hat an der Universität Stuttgart Architektur studiert und 
nach seinem Diplom 1981 bei Prof. Hans Kammerer im Büro Faller+Schröder in Stuttgart und München 
gearbeitet. Von 1982 bis 1986 war er als Projektleiter bei Auer+Weber Architekten in Stuttgart 
beschäftigt. Bis 1987 arbeitete er für Gottfried Böhm und Joachim Schürmann in Köln, bevor er noch 
im selben Jahr sein eigenes Architekturbüro in Stuttgart gründete. Dieses führt er seit 1996 mit seinen 
Partnern Kai Bierich und Alexander Vohl. Zu den wichtigen aktuellen Projekten von wulf architekten 
zählt die Umstrukturierung und Erweiterung der ehemaligen Ordensburg Sonthofen. Von 1987 bis 
1991 erhielt Tobias Wulf einen Lehrauftrag an der Universität Stuttgart für das Fach Entwerfen, seit 
1991 ist er Professor für Baukonstruktion und Entwerfen an der Fakultät für Architektur und 
Gestaltung der Hochschule für Technik in Stuttgart. Darüber hinaus ist er Mitglied der 
Architektenkammer Baden-Württemberg, des BDA Bund Deutscher Architekten, der DGNB Deutschen 
Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, dem aed Verein zur Förderung von Architektur, Engineering und 
Design in Stuttgart e.V. und seit 2013 des Gestaltungsbeirats der Stadt Freiburg im Breisgau. Seit 2006 
lebt Tobias Wulf im Allgäu in seinem Zweitwohnsitz in der Nähe von Fischen.